11/03/2011

Stahlwirtschaft 2011: Heitere Konjunkturdaten und düstere politische Rahmenbedingungen

Vor allem die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten sowie die energie- und klimapolitischen Weichenstellungen der Bundesregierung und der Europäischen Union bremsten die Freude der rund 250 Teilnehmer der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung "Stahlmarkt 2011" (22. und 23. Februar 2011, Düsseldorf) über die rasche Erholung der Stahlindustrie nach der Finanzkrise.

Traditionell wurde die Handelsblatt Jahrestagung mit einem gesamtwirtschaftlichen und konjunkturellen Ausblick eröffnet. "Die jüngst erlebte Finanz- und Wirtschaftskrise in der Eurozone hat zu einer Wachstumspause, nicht aber zu einem Strukturbruch geführt", sagte der Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft). Alle führenden europäischen Volkswirtschaften hätten bei der Entwicklung ihres Bruttoinlandsprodukts 2009 einen massiven Einbruch, 2010 aber eine spürbare Erholung erfahren.

Die beeindruckende wirtschaftliche Erholung Deutschlands führte der Direktor des Institutes der deutschen Wirtschaft vor allem auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieprodukte auf den Weltmärkten zurück. Gerade der hohen deutschen Industriequote seien Großteile des Wachstums zu verdanken. Aufgrund der Wettbewerbsfähigkeit und der ungebrochen hohen wirtschaftlichen Dynamik in den sogenannten Emerging Markets seien die Perspektiven für deutsche Unternehmen in den kommenden Jahren gut.

Ermutigender Ausblick auf 2011

"Die Stahlindustrie hat die Krise in großen Schritten hinter sich gelassen", stellte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl Hans Jürgen Kerkhoff fest. Weltweit sei die Rohstahlproduktion 2010 um 15 Prozent auf einen neuen Höchststand von 1,414 Milliarden Tonnen angestiegen und habe den kräftigsten Zuwachs seit 1955 erlebt. In Deutschland sei die Erzeugung um 34 Prozent gestiegen, habe aber mit 43,8 Millionen Tonnen das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. Für 2011 seien die ersten Daten zur Stahlkonjunktur besonders ermutigend, sagte Kerkhoff weiter. Die Rohstahlproduktion sei im Januar um vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen und die Stahlbestellungen hätten sich ebenfalls beschleunigt. "Der kraftvolle Jahresauftakt ist Ausdruck solider konjunktureller Rahmenbedingungen", so der Präsident weiter. Gesteigerte Auftragseingänge im Maschinenbau, bei Stahlrohren sowie in der Bauindustrie gäben dem Aufschwung der realen Stahlnachfrage eine breite Basis. Gegenüber dem Tiefpunkt im Februar 2009 hätten die Auftragseingänge in den stahlverarbeitenden Branchen durchschnittlich 50 Prozent zugelegt. Zusätzliche Impulse auf die Stahlnachfrage erwartete Kerkhoff auch aus Lageraufstockungen in den kommenden Monaten. "Die konjunkturellen Voraussetzungen für ein gutes Stahljahr 2011 sind gegeben", sagte er. Für die Marktversorgung mit Walzstahl prognostizierte er eine Steigerung um rund sieben Prozent auf knapp 40 Millionen Tonnen Walzstahl. Bei der Prognose von 44,5 Millionen Tonnen für die Rohstahlproduktion bleibe die Wirtschaftsvereinigung mit einem Plus von knapp zwei Prozent gegenüber 2010 noch vorsichtig.

Unsicherheiten zum weiteren Konjunkturverlauf - Rohstoffpreise

Zum einen verwies Kerkhoff auf das Phänomen der "Multi-Speed-Recovery". Selten sei die Entwicklung auf dem Weltstahlmarkt so differenziert gewesen. Während die Stahlnachfrage in den meisten aufstrebenden Volkswirtschaften bereits 2010 wieder auf Vorkrisenniveau zurückgefunden habe, befinde sich die Nachfrage in den entwickelten Industrienationen noch hinter dem Vorkrisenboom. Besonders China habe über die Krise hinweg seinen Anteil am Weltstahlmarkt um volle zehn Prozentpunkte auf 45 Prozent erhöhen können. Auch innerhalb der Gruppe der hochindustrialisierten Länder sei das Bild differenziert. In der Europäischen Union betrage der Abstand zum Vorkrisenniveau noch rund 25 Prozent, in Deutschland allerdings nur knapp 14 Prozent.

Unsicherheiten für den weiteren Konjunkturverlauf ergäben sich darüber hinaus aus der Entwicklung auf den Rohstoffmärkten, so der Präsident der Wirtschaftsvereinigung weiter. "In den letzten Wochen und Monaten erlebten wir einen Preisauftrieb wie seit dem Jahr 2008 nicht mehr", sagte er.

Quelle: EUROFORUM