17/07/2009

Ingenieure verzweifelt gesucht

Viele Branchen bekommen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise schon zu spüren: Die Sommererholung auf dem Arbeitsmarkt bleibt erstmals aus, Unternehmen gehen in Kurzarbeit, müssen Mitarbeiter entlassen oder sogar Insolvenz anmelden. Ganz gegen diesen Trend sind Ingenieure der Energie- und Gebäudetechnik weiterhin stark gefragt. "Trotz Wirtschaftskrise werden wir in den nächsten Monaten fünf bis sechs Ingenieure einstellen, weiß Diplom-Ingenieur Olaf Wittvogel von der Viega GmbH & Co. KG mit Hauptsitz im sauerländischen Attendorn. Und Andreas Pöhlig von der Kieback&Peter GmbH & Co. KG, die Energiespar-Technologien durch Gebäude-Automation entwickelt, ergänzt: "40 Neueinstellungen wie im vergangenen Jahr wird es wohl nicht geben, aber unser Bedarf an Vertriebsingenieuren ist allein aufgrund der Nachfolgeregelung unserer rund 900 Angestellten auch in diesem Jahr sehr hoch." Das Problem: Die Anzahl der jährlich rund 50 Absolventen der Fachhochschulen in Steinfurth, Esslingen und Wolfenbüttel, die Energie-Ingenieure in einem Vollstudium ausbilden, wird noch zurück gehen und den Bedarf an Fachkräften nicht abdecken können. Der Fachbereich Versorgungstechnik der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel geht daher gemeinsam mit den 16 Wirtschaftsunternehmen aus dem 2007 gegründeten Beirat neue Wege der Fachkräfterekrutierung: Im April wurden aus Spenden der Beiratsunternehmen bereits zum zweiten Mal die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro an 46 Studierende zurück gezahlt. Einzelne Mitgliedsunternehmen wie die wachsende Kofler Energies vergeben darüber hinaus Stipendien, Industrieunternehmen wie die Solvis GmbH & Co. KG aus Braunschweig oder die Heizkraftanlagen GmbH aus Hannover ermöglichen Berufsanfängern seit vergangenem Herbst ein duales Studium.

Kürzlich wurde das Ausbildungskonzept um einen neuen Baustein ergänzt: "Die Unternehmen aus unserem Beirat sind mit der Idee einer Jobmesse auf mich zugekommen. Insbesondere die Ingenieurbüros haben so viel zu tun, dass sie verzweifelt Ingenieure der Energie- und Gebäudetechnik suchen," schildert Prof. Dr. Jürgen Kuck, Dekan des Fachbereichs Versorgungstechnik, die Situation. Die elf Teilnehmer nutzten die erste auf dem Campus durchgeführte Personalmesse "Power Job", um sich den Studenten vorzustellen und ihnen die Karrierechancen durch verschiedene Vorträge aufzuzeigen. Auch die Absolventen des Fachbereiches informierten sie über Alternativen auf dem Arbeitsmarkt. Eigens dafür wurde die Messe auf den Tag des traditionellen Alumnitreffens "Stammtisch" gelegt. "Trotz eigener Interessen und Ziele haben sich engagierte Unternehmen aus der Branche in unserem Beirat zusammen geschlossen, um gemeinsam die Situation für die Hochschule, die Studierenden und die Wirtschaftsunternehmen zu verbessern," freut sich Prof. Dr. Jürgen Kuck über die gelungenen Auftaktveranstaltung sowie die gute Vernetzung zwischen Hochschule und Wirtschaft. Gemeinsam werde man das Ziel mehr qualifizierte Ingenieure auszubilden weiter verfolgen. Das kommende Semester beginnt im September, Bewerbungen sind über die Internetseite (www.fh-wolfenbuettel.de) der Fachhochschule möglich.