Es wird bereits gebaggert, gegraben, Kabel werden aufwändig herangeschafft und verlegt – die Trasse SuedLink nimmt langsam, aber sicher Gestalt an. Bis 2028 soll die Stromautobahn fertig sein, die die Energie der Windkraftanlagen im Norden Deutschlands in den Süden transportiert. Sie ist ein wichtiger Teil für Deutschlands, aber letztlich auch Europas Energiewende. Aktuell bekommen die Arbeiten durch ihre zahlreichen Baustellen in den Medien reichlich Aufmerksamkeit. Nur eine Momentaufnahme, denn ist die Arbeit in einigen Jahren getan, werden die Helden der Energiewende als Erdkabel wieder „unsichtbar“ und dabei wertvolle Dienste leisten.
Kein Land ist eine Insel – erst recht nicht, wenn es um Klimaschutz und Energieversorgung geht. Bis zum Jahr 2050 will die EU ihre Treibhausgasemissionen um 80 Prozent gegenüber 1990 senken. Ein wichtiger Baustein dafür sind die erneuerbaren Energien, die bis 2030 mindestens 27 Prozent des Energieverbrauchs decken sollen.
Um dies zu erreichen, ist ein europäisches Energiesystem notwendig. Daher werden nationale Stromnetze in Europa durch grenzüberschreitende Leitungen, sogenannte Interkonnektoren, miteinander verbunden. Ein Mammutprojekt, für das leistungsfähige Kabel unverzichtbar sind.
Kabelsysteme für höhere Spannungen
Allerdings habe der Umbau des Energiesystems dazu geführt, dass immer größere Energiemengen über immer längere Strecken transportiert werden – eine Aufgabe, für die die Stromnetze ursprünglich nicht ausgelegt waren, erläutert der deutsche Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Daher ist ein Netzausbau europaweit erforderlich. Die Energieversorgung gilt es langfristig zu sichern sowie nachhaltig und bezahlbar zu gestalten.
Und das geschieht bereits. Zum Beispiel durch den Bau der SuedLink, die von Norddeutschland nach Süddeutschland führt. Auf einer Länge von 700 Kilometern werden aktuell 525-Kilovolt-Kabel für eine leistungsstarke Höchstspannungs-Gleichstromübertragung (HVDC) verlegt. Sie ermöglichen eine übertragbare Leistung von 2 Gigawatt auf einem einzigen System und sind – laut dem Kabelhersteller Prysmian – „weniger anfällig für die immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse“. Kabelsysteme, die für höhere Spannungen und mit großen Leiterquerschnitten ausgelegt sind, böten zudem optimale technische Lösungen für die Übertragung über große Entfernungen und hoher Leistungen bei minimalem Flächenverbrauch.
Die SuedLink-Kabel haben einen Durchmesser von 15 Zentimetern und bestehen u.a. aus einer inneren halbleitenden Schicht, die als Barriere gilt, um eine Kontamination zwischen den Schichten zu vermeiden. Hinzu kommen Kabelisolation, Glasfaserelemente, geschweißte Aluminiumfolie und ein Außenmantel. Der Leiter besteht aus Kupfer. Die beiden Kabelhersteller NKT und Prysmian fertigen insgesamt 2.420 Kilometer Kabel für SuedLink. Die fertigen Kabelabschnitte sind bis zu zwei Kilometer lang. Kosten des Versorgungsnetzes: rund zehn Milliarden Euro. Etwa zehn Millionen Haushalte können nach der Fertigstellung Strom beziehen. Damit ist es das größte Infrastrukturprojekt der Energiewende in Deutschland.
Wichtiger Teil der Energiewende
Der Bau der 540 Kilometer langen SuedOstLink, die den östlichen Teil Deutschlands mit dem Süden verbindet, hat 2024 begonnen und sie soll Ende 2027 in Betrieb gehen. Sie wird ebenfalls mit 525-Kilovolt-Kabeln ausgestattet und ist ein wichtiger Teil der Energiewende. Gefordert sind abermals leistungsfähige und resistente Kabel.
In diesem Jahr feierte der Übertragungsnetzbetreiber Amprion symbolisch den Spatenstich für die Erdkabelverbindung A-Nord. Das Projekt hat auch eine große Bedeutung für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. „Die rund 300 Kilometer lange Erdkabeltrasse A-Nord stellt eine Hauptschlagader der Energiewende dar und wird zukünftig zwei Gigawatt Windstrom vom ostfriesischen Emden bis ins nordrhein-westfälische Meerbusch-Osterath transportieren“, erklärt Amprion. A-Nord soll den Energiebedarf von rund zwei Millionen Menschen decken.
A-Nord bildet gemeinsam mit der Gleichstromverbindung Ultranet einen rund 600 Kilometer langen Windstromkorridor, der ab 2027 zwei Gigawatt Windenergie transportieren wird. In Niedersachsen haben die Bauarbeiten bereits 2023 begonnen.
EU: Projekt von gemeinsamem Interesse
Als ein Leuchtturmprojekt der europäischen Energiewende gilt NordLink – eine Versorgungstrasse, die Norwegen mit Deutschland verbindet. Von der Europäischen Union erhielt sie den Status „Projekt von gemeinsamem Interesse“. Ziel ist es, Dunkelflauten auszugleichen sowie grüne Energie sicher und bezahlbar in der EU zur Verfügung zu stellen.
NordLink verbindet bereits die Kapazitäten der Wasserkraftwerke in Norwegen mit den Windkraftanlagen Deutschlands und ermöglicht den Austausch erneuerbarer Energien und leistet damit einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen, berichtet Übertragungsnetzbetreiber TenneT. „Wenn beispielsweise in Deutschland ein Überschuss an Windenergie erzeugt wird, kann dieser über NordLink nach Norwegen übertragen werden. Die Wasserspeicher in Norwegen dienen dann als ‚natürliche Speicher‘ für die Windenergie.“ Umgekehrt könne Deutschland bei hohem Bedarf Energie aus Wasserkraft aus Norwegen importieren. NordLink hat eine Kapazität von 1.400 Megawatt (MW) und kann mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen.
Grenzenlose Energieversorgung
Der Bau von Verbindungsleitungen zum Austausch von erneuerbaren Energien über Grenzen hinweg ist keine neue Idee: Bereits 2008 wurden die niederländischen und norwegischen Stromnetze durch das NorNed-Kabel verknüpft. Die 450 kv-Hochspannungsleitung ist 580 Kilometer lang und hat eine Kapazität von 700 MW. NorNed-Kabel ermöglichen mehr Sicherheit bei der Stromversorgung in den Niederlanden und Norwegen.
Ebenfalls bereits unter Strom ist das BritNed-Kabel, das seit 2011 kommerziell genutzt wird. Zwei Seekabel überbrücken die Distanz von 260 Kilometern zwischen den Niederlanden und Großbritannien. Das BritNed-Kabel, hergestellt von ABB, überträgt eine Leistung von 1 GW.
Energieautobahn verbindet Kontinente
Nun sollen Kontinente miteinander verbunden werden: Das mit fast 1.400 Kilometer längste und bei einer stellenweise mit 3.000 Metern am tiefsten verlegte Unterseekabel der Welt kommt beim EuroAfrica Interconnector zum Einsatz. Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) soll die Stromnetze Griechenlands, Zyperns und Ägyptens verknüpfen. Zunächst startet die Energieautobahn zwischen Europa und Afrika mit einer Übertragungskapazität von 1.000 MW. Die Inbetriebnahme ist zwischen 2028 und 2029 vorgesehen. Und wie bei vielen anderen Streckenabschnitten werden die Kabel widrigsten Bedingungen trotzen müssen, auch hier nicht sichtbar ihre wertvollen Dienste leisten … die unsichtbaren Helden eben.
Trends und Highlights aus den Industriebereichen Draht, Kabel und Rohre sind auf der wire & Tube Expo vom 13. bis 17. April 2026 in Düsseldorf zu erleben. Aktuelle Branchen- und Produktinformationen befinden sich im Internetportal unter www.wire.de und www.Tube.de und auf linkedin: https://www.linkedin.com/showcase/wire-and-tube-leading-international-trade-fairs/.