2. Wasserstoff-Modellprojekte
Neben den Arbeiten am Wasserstoff-Kernnetz gibt es mittlerweile deutschlandweit zahlreihe Modellregionen für den regionalen Wasserstoffhochlauf. Exemplarisch sei hier eines dieser Projekte kurz vorgestellt:
Am 1. April startete im Sauerland das wegweisende Verbundprojekt HydroNet, das mit rund 18 Mio. Euro durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Es zielt darauf ab, die Region zu einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft zu transformieren und soll als Blaupause für ähnliche Projekte in anderen Regionen Deutschlands dienen.
Um die lokale Produktion klimafreundlicher zu gestalten, will ein Konsortium unter Leitung des Verteilnetzbetreibers Westnetz dort bis 2029 mit HydroNet einen Wasserstoff-Cluster aufbauen, der die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Insgesamt zwölf Partner wollen in den nächsten fünf Jahren auf diese Weise einen Wasserstoffmarkt im Sauerland aufbauen.
Rückgrat des Modell-Clusters ist eine 11 km lange Erdgasleitung, die für den Wasserstofftransport umgerüstet wird. Abnehmer des Wasserstoffs sind mittelständische Industriebetriebe in der Region. Die Metallproduktion und -verarbeitung, Automobilzulieferung, Papierherstellung sowie Mobilität und Abwasseraufbereitung stehen dabei im Fokus.
HydroNet ist laut Westenergie „das einzige Projekt seiner Größenordnung in Deutschland, das ohne EU-Fördermittel realisiert wird – und gezielt den industriellen Mittelstand einbindet“.
3. BMWE: H2-Hochlauf vorantreiben, Technologieverbote aufheben
Die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht den Wasserstoffhochlauf grundsätzlich als zentrale Säule für die Energiewende, die Dekarbonisierung der Industrie und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie betont, dass der Hochlauf wesentlich schneller, pragmatischer und mutiger vorangetrieben werden müsse, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen und den Industriestandort zu sichern. Reiche fordert bessere Rahmenbedingungen, eine beschleunigte Umsetzung von Infrastrukturprojekten und eine Importstrategie für Wasserstoff, da Deutschland mittel- bis langfristig auf Importe angewiesen sein wird. Insgesamt will sie „Farbneutralität im Wasserstoff-Hochlauf schaffen“ und Technologieverbote abschaffen, um verschiedene Lösungswege offenzuhalten. Einen besonderen Schwerpunkt möchte Reiche auf den Ausbau von Gaskraftwerken als flexible Reserve zur Absicherung der schwankenden Ökostromerzeugung legen. Dabei geht es um die rasche Ausschreibung von neuen 20-GW-Gaskraftwerken, um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können.
4. Fazit und Ausblick
Die aktuelle Datenlage zu den oben genannten Infrastrukturprojekten macht deutlich: In Deutschland schreitet der Wasserstoffhochlauf mit großen Schritten voran – sei es mit der Umrüstung bestehender Gasleitungen, dem Leitungsneubau oder den bereits erfolgten Inbetriebnahmen von Pipelines auf strategisch bedeutenden Teilabschnitten.
Dieser positive Trend könnte allerdings ausgebremst werden: Für eine kosteneffiziente Wasserstoffproduktion in Deutschland erweist sich beispielsweise die EU-Regulierung derzeit als eines der größten Hindernisse. Aufgrund der strengen RED-III-Kriterien bezgl. der Stromversorgung von Elektrolyseuren rechnen Experten mit einer drastischen Kostensteigerung für die inländische Wasserstoffproduktion. Dies würde den Preis pro Kilogramm Wasserstoff um rund 50 % verteuern. Auch bei dem geplanten Ausbau der Gaskraftwerke scheint es aus Brüssel Widerstand zu geben. Weiterhin behindern die zu langen Genehmigungsverfahren den zügigen Ausbau. Es bleibt also auf regulatorischer Ebene – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer – noch einiges zu tun.