Aktuelle Marktanalysen (Mordor Intelligence, Januar 2026) beziffern den indischen Draht- und Kabelmarkt für 2025 auf rund 21,2 Milliarden US-Dollar. Bis 2031 wird er voraussichtlich auf 35,6 Milliarden US-Dollar anwachsen – bei einer durchschnittlichen Jahreswachstumsrate (CAGR) von 9 %. Die Infomerics-Ratings prognostizieren parallel dazu, dass der spezifische Kabelsegmentmarkt (Energiekabel, Industriekabel) von 6,6 Milliarden US-Dollar (2024) auf über 10,9 Milliarden US-Dollar bis 2033 ansteigen wird.
Der globale Kontext unterstreicht Indiens Sonderstellung: Der weltweite Draht- und Kabelmarkt wird 2026 auf rund 245 bis 255 Milliarden US-Dollar geschätzt, bei einem globalen CAGR von etwa 6 %. Indien zählt dabei – neben Südostasien – zu den Regionen mit der höchsten Wachstumsdynamik. Während westliche Märkte mit Netzersatz und Modernisierung befasst sind, erlebt der Subkontinent echtes Neubauwachstum in einem noch weitgehend unerschlossenen Markt.
Die wichtigsten Wachstumstreiber im Überblick:
- Ländliche Elektrifizierung und Verteilnetzausbau: Indiens Saubhagya-Programm hat zwar die Grundversorgung für 99 % der Haushalte sichergestellt – doch Netzqualität, Kapazität und Redundanz müssen nun massiv ausgebaut werden.
- Urbanisierung: Jährlich ziehen Millionen Menschen in die indischen Städte. Das erzeugt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Gebäudeinstallationskabeln, Niederspannungsverteilern und Kommunikationskabeln.
- Elektromobilität: Das schnell wachsende indische EV-Segment erfordert nicht nur Ladekabel, sondern auch eine neue Generation von Kabelsträngen für Fahrzeuge.
- Digitalisierung: Der Ausbau von Glasfaser- und 5G-Netzwerken erzeugt weiteren Bedarf nach Telekommunikationskabeln.
Zu den wichtigsten indischen Herstellern zählen Polycab India, KEI Industries, Finolex Cables und Havells – allesamt Unternehmen, die in den letzten Jahren massiv in Kapazitätsausbau und internationale Zertifizierungen investiert haben.
500 Gigawatt bis 2030: Indien und die größte Energiewende der Welt
Im Zentrum des indischen Infrastrukturbooms steht außerdem eine energiepolitische Ambition, die ihresgleichen sucht: Bis 2030 soll die installierte Kapazität aus nicht-fossilen Quellen auf 500 Gigawatt steigen – was bedeutet, dass erneuerbare Energien mindestens 50 % der gesamten Stromerzeugungskapazität ausmachen sollen. Tatsächlich hat sich Indiens installierte Nicht-Fossil-Kapazität bereits von 81 GW (vor 2014) auf 250 GW im September 2025 verdreifacht – ein Tempo, das Indien zum drittgrößten Land weltweit nach installierter Erneuerbarer-Energie-Kapazität gemacht hat.
Das indische Energieministerium hat für die Erreichung dieses Ziels einen umfassenden Übertragungsplan erarbeitet, der unmittelbar übersetzt, was für Draht- und Kabelhersteller an Auftrags- und Wachstumspotenzial besteht:
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Infrastrukturkomponente
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Geplante Kapazität
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HVDC-Übertragungskorridore (+800 kV)
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8.120 Kreiskilometer (ckm)
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765-kV-Wechselstromleitungen
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25.960 ckm
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400-kV-Leitungen
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15.758 ckm
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220-kV-Kabel
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1.052 ckm
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Batteriespeicher
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51,5 GW
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Gesamtinvestition
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- 2,44LakhCrore INR (~27 Mrd. EUR)
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Quelle: Ministry of Power, Government of India / PIB, Dezember 2022
Diese Zahlen machen deutlich: Der Aufbau des indischen Energieübertragungsnetzes für das 500-GW-Ziel entspricht allein beim Hochspannungskabelbedarf einem der größten Einzelprojekte der globalen Kabelnachfrage in diesem Jahrzehnt. Besonders der HVDC-Korridor-Ausbau – mit Projekten wie dem Ladakh-Renewables-Korridor oder dem Küstenwind-Anschluss in Tamil Nadu und Gujarat – setzt Maßstäbe für Kabel, die extremen mechanischen, thermischen und elektrischen Belastungen standhalten müssen.
Für internationale Spezialanbieter ergibt sich daraus eine direkte Marktchance: HVDC-Kabel in dieser Spannungsklasse werden bis heute vorwiegend von europäischen Herstellern wie Prysmian, Nexans oder NKT gefertigt. Das indische Netz wird auf diese Technologie angewiesen sein.
Die Rohrindustrie: Lebensadern für Wasser, Gas und Energie
Was für Kabel gilt, trifft in gleicher Intensität auf die Rohrindustrie zu. Indiens Röhren- und Rohrmarkt wächst seit Jahren dynamisch, angetrieben von drei parallelen Megatrends:
Gasinfrastruktur: Das City Gas Distribution (CGD)-Netz, das Erdgas zu Haushalten und Gewerbebetrieben bringt, wird derzeit in 295 geografischen Zonen ausgebaut. Große Pipelineprojekte wie die Pradhan Mantri Urja Ganga oder die Jagdishpur-Haldia-Pipeline schaffen Tausende Kilometer neuer Gas-Infrastruktur und erzeugen einen anhaltenden Bedarf an hochwertigen Stahlrohren für Hochdruckanwendungen.
Wasserversorgung: Die Jal Jeevan Mission, ein Programm zur Trinkwasserversorgung von 192 Millionen Landhaushalten bis 2024, ist eines der größten Rohrleitungsbauprojekte der Weltgeschichte. Auch wenn die ursprüngliche Frist sich verzögert hat, bleibt der Investitionshorizont intakt. Dutzende Milliarden Dollar werden noch in Verteilleitungen, Pumpstationen und Speicheranlagen investiert.