- Wasserwirtschaft: BIM-Einsatz in der Praxis
Die Building Information Modeling-Methode gewinnt auch in der Wasserwirtschaft im Rahmen der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von wasserwirtschaftlichen Anlagen zunehmend an Bedeutung – insbesondere in Kombination mit weiteren Datensystemen.
GIS-BIM Datenintegration beim Fernwasserversorger Bodensee-Wasserversorgung
„Die Integration von Geoinformationssystemen (GIS) und Building Information Modeling (BIM) ist ein wichtiger Schritt zur optimalen Nutzung räumlicher Daten in der Planung und Ausführung von Bauvorhaben“, erläutert der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) einen praktischen Anwendungsfall des Fernwasserversorgers Bodensee-Wasserversorgung. „Die Integration von GIS und BIM ermöglicht neben der präzisen Visualisierung von geometrischen und logischen Daten eines Bauwerks, auch eine Anreicherung des Digitalen Zwillings mit Fachdaten aus dem GIS. Durch die Integration können räumliche Zusammenhänge und geografische Merkmale in die Planung und Ausführung von Bauvorhaben einbezogen werden, was zu einer umfassenderen und genaueren Darstellung des Bauwerks führt. Die Kombination von BIM und GIS ermöglicht somit eine ganzheitliche Betrachtung des Bauwerks und setzt dieses in den Kontext seiner Umgebung.“
Die Bodensee-Wasserversorgung hat in einem Modellprojekt gezeigt, wie man Daten aus Kartenprogrammen (GIS) und digitalen Bauwerksmodellen (BIM) erfolgreich zusammenführt. Dabei kam die Software FME zum Einsatz, die Daten aus verschiedenen Quellen automatisch umwandeln und verbinden kann.
Ein wichtiger Schritt war, Flurstücksgrenzen, die eigentlich nur als einfache Linien in Karten vorliegen, mithilfe eines Geländemodells in 3D-Formen umzuwandeln. Diese 3D-Flächen wurden dann in ein digitales Bauwerksmodell eingebaut, sodass man zum Beispiel genau prüfen kann, ob geplante Leitungen auf ein Grundstück treffen. Die Daten wurden in einer IFC-Datei gespeichert, in der jedes Flurstück wie ein Stockwerk dargestellt ist. So lassen sie sich leicht ein- oder ausblenden und eindeutig zuordnen. In Zukunft sollen noch mehr Daten, wie etwa Natur- oder Wasserschutzgebiete, automatisch eingebunden werden mit dem Ziel, Zeit einzusparen, die Fehlerquote zu reduzieren sowie die Planung zu optimieren.
Im September 2022 wurde der erste Teil des mehrteiligen DVGW-Regelwerks „W 1070-1“ veröffentlicht, der die Grundlagen von BIM in der Wasserwirtschaft behandelt. Dieses Regelwerk dient als Leitfaden für Unternehmen, die BIM-Projekte planen und umsetzen möchten. Es bietet Empfehlungen für die Bedarfsplanung, die Festlegung von Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und die Auswahl von Fachkräften für die BIM-Koordination und das Management.
- Fazit und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Building Information Modeling (BIM) eine transparente, schnelle und effiziente Möglichkeit darstellt, mithilfe eines digitalen Zwillings den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks abzubilden und zu optimieren.
Durch die Integration verschiedener Techniken/Fachmodelle können die Planungsgenauigkeit und Effizienz sogar noch gesteigert werden, wie es bei der Kombination von BIM mit Laserscanning-Technologien beispielsweise der Fall ist. Die fortschreitende Implementierung von BIM erfordert standardisierte Datenformate und die Anpassung bestehender Regelwerke. Unterstützung bietet das „BIM-Portal - Digitale Werkzeuge und Methoden für die Bauwelt“.
Auch über ein deutsches Digitalministerium wird seit einiger Zeit nachgedacht. Dieses könnte nun mit der neuen Bundesregierung Realität werden.
Ein Ministerium für Digitales könnte im Bauwesen eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung spielen, indem es bundesweite Strategien entwickelt und umsetzt. So könnte es beispielsweise dafür sorgen, dass Methoden wie Building Information Modeling (BIM) flächendeckend genutzt werden. Auch die digitale Abwicklung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, etwa durch Online-Portale für Bauanträge, würde Prozesse beschleunigen und transparenter machen. Ein weiterer Aufgabenbereich wäre der Aufbau zentraler digitaler Datenplattformen, wie etwa eines Gigabit-Grundbuchs, um den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu unterstützen.
Darüber hinaus könnte das Ministerium Forschungsprojekte zu neuen digitalen Technologien im Bauwesen initiieren und koordinieren. Ebenso wichtig wäre die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, um das Know-how in Behörden und Bauunternehmen im Umgang mit digitalen Prozessen zu stärken. Auf diese Weise würde die Digitalisierung des Bauwesens gezielt gefördert und zur Modernisierung und Effizienzsteigerung der Branche beitragen.