Der österreichische Stahlkonzern voestalpine und Energieversorger VERBUND investieren in die Erweiterung ihrer Wasserstoffproduktion in Linz. Die H2FUTURE-Pilotanlage erhält zusätzliche Speicherkapazitäten und Aufbereitungstechnologie. Das Forschungsprojekt soll bis 2029 industrielle Anwendungen von Wasserstoff vorantreiben.
Technische Aufrüstung der Elektrolyseanlage
Voestalpine und Verbund realisieren eine 16,4-Millionen-Euro-Investition zur Erweiterung ihrer seit 2019 betriebenen H2FUTURE-Anlage. Die Modernisierung umfasst eine neue Verdichtungs- und Reinigungsanlage sowie fünf Wasserstoffspeichertanks mit einer Gesamtkapazität von einer Tonne. Diese Infrastruktur soll die Produktionsstabilität der Elektrolyseanlage verbessern.
"Mit einer Speicherkapazität von einer Tonne Wasserstoff können wir Produktionsschwankungen ausgleichen und die konstante Versorgung unserer Abnehmer sicherstellen", erläutert Verbund-CEO Michael Strugl. Der österreichische Energiekonzern vermarktet bereits grünen Wasserstoff über seine Tochtergesellschaft Verbund Green Hydrogen GmbH. Im April schloss das Unternehmen eine Liefervereinbarung mit der deutschen Westfalen AG ab 2026.
Projektfortschritt und Zeitplan
Die Vorbereitungsarbeiten für die Anlagenerweiterung sind seit zwei Jahren im Gange. Aktuell befinden sich die Komponenten in der Installationsphase. Funktionstests beginnen im Januar 2026, erste Forschungsergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet. Die Projektlaufzeit erstreckt sich bis Dezember 2029.
Bestehende Anlagenkapazitäten und Technologie
Die H2FUTURE-Elektrolyseanlage verfügt über zwölf PEM-Stacks von Siemens Energy mit je 50 Elektrolysezellen und einer Anschlussleistung von 6 Megawatt. Die Anlage produziert bis zu 1.200 Kubikmeter grünen Wasserstoff pro Stunde und hat seit Betriebsbeginn bereits mehrere hundert Tonnen erzeugt. Zusätzlich zur Wasserstoffproduktion dient die Anlage dem Ausgleich von Netzfrequenzschwankungen, die durch die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien entstehen. Nach Angaben von Verbund handelt es sich um eine der weltweit am längsten betriebenen Wasserstoffanlagen.
Integration in Dekarbonisierungsstrategie
Voestalpine setzt den in Linz produzierten grünen Wasserstoff für Forschungsprojekte und das Dekarbonisierungsprogramm "greentec steel" ein. "Wir verfolgen mit greentec steel einen strukturierten Transformationsplan", erklärt Voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner. Wasserstoff nehme in dieser Strategie eine zentrale Position ein.
Ab 2027 wird der Konzern an den Standorten Linz und Donawitz jeweils einen grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenofen in Betrieb nehmen und gleichzeitig zwei kohlebasierte Hochofenaggregate stilllegen. Bis 2050 strebt Voestalpine eine Stahlproduktion mit Net-Zero-CO₂-Emissionen an.
Der Wasserstoff aus Linz soll perspektivisch in der wasserstoffbasierten Direktreduktionsanlage HYFOR eingesetzt werden. Voestalpine entwickelt diese Technologie seit Ende 2022 in einem Konsortium mit Primetals Technologies und dem Bergbaukonzern Fortescue. Der geplante Prototyp soll drei bis fünf Tonnen grünes Roheisen pro Stunde produzieren.