Swiss Steel Group macht wichtigen Fortschritt bei der Dekarbonisierung der Stahlproduktion. Das EU-Projekt HYDREAMS beweist: Wasserstoff kann Erdgas in thermischen Prozessen ersetzen, ohne die Materialqualität zu beeinträchtigen. Drei Industrieanlagen demonstrieren die Praxistauglichkeit bis 2026.
Die Swiss Steel Group meldet einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Stahlproduktion. Im EU-geförderten Forschungsprojekt HYDREAMS erprobte der Konzern erfolgreich den Austausch von Erdgas durch Wasserstoff in der thermischen Stahlbehandlung. Die am 15. August veröffentlichten Ergebnisse zeigen: 13 getestete Stahlqualitäten wiesen keinerlei strukturelle Veränderungen oder Beeinträchtigungen der Materialzusammensetzung auf.
Das seit April 2023 laufende Vorhaben gilt als branchenweit erste systematische Untersuchung dieser Tragweite. Die Forscher analysierten dabei verschiedene Ofenkonfigurationen – sowohl Heiz- als auch Glühöfen – sowie unterschiedliche Brennersysteme von Impuls- bis Flammenbrenner.
Die Aktivitäten fügen sich in die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens ein. Bereits im April 2024 schloss die Konzerntochter Ugitech eine strategische Partnerschaft mit dem Wasserstoffspezialisten Lhyfe. Gemeinsam planen beide Unternehmen eine Elektrolyseanlage am französischen Produktionsstandort Ugine mit einer täglichen Kapazität von bis zu zwölf Tonnen.
Brennstoffeigenschaften im Vergleich
Die Projektverantwortlichen konzentrieren sich auf kritische Unterschiede zwischen den Energieträgern. Wasserstoff weist andere Flammengeschwindigkeiten und Strahlungsintensitäten auf als Erdgas. Zudem variiert die Abgaszusammensetzung erheblich – Faktoren, die direkten Einfluss auf Produktqualität und Anlagentechnik nehmen können.
"Die Substitution von Erdgas durch Wasserstoff in thermischen Verfahren befindet sich noch in der Entwicklungsphase und birgt spezifische Herausforderungen", erklärt Laurent Sieye, Sustainability Manager bei Ugitech. Dazu zählen potenzielle NOx-Emissionssteigerungen sowie mögliche Auswirkungen auf Stahlgüte und Feuerfestmaterial-Lebensdauer.
Industrielle Erprobung in vollem Gang
Drei maßgeschneiderte Demonstrationsanlagen sollen die Kommerzialisierung vorantreiben. Jeder Demonstrator fokussiert auf unterschiedliche Heizverfahren und Produktkategorien: Blooms, Schmiedebarren und Coils. DEMO 3 startete bereits im März 2025 den Testbetrieb, erste Bloom-Versuche beginnen im Sommer. DEMO 1 und DEMO 2 folgen 2026.
Die Forschungsarbeit umfasst mehrere Entwicklungsstufen: von Laborversuchen in Pilotanlagen über CFD-Simulationen und Ofenmodellierung bis hin zu industriellen Demonstrationstests. Parallel bereitet Ugitech die kommerzielle Wasserstoffnutzung am Standort Ugine vor, wo jährlich rund 200.000 Tonnen Stahl entstehen. Der Einsatz von grünem Wasserstoff soll dort 16.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.
Neben technischen Erkenntnissen erstellen die Projektpartner umfassende Sicherheitsbewertungen, Lebenszyklusanalysen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Swiss Steel Group positioniert Wasserstoff-Technologie als Alternative zur elektrischen Beheizung, die bei bestimmten Anwendungen technische Grenzen aufweist. Die Stahlindustrie verantwortet nach Unternehmensangaben rund acht Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen.