Die deutsche Stahl- und Metallverarbeitungsindustrie hat im ersten Halbjahr 2025 einen deutlichen Produktionsrückgang verzeichnet. Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) lag das Minus bei 3,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zwar stieg die Produktion von Mai auf Juni leicht um 2,4 %, doch konnte dieser Zuwachs den negativen Halbjahrestrend nicht kompensieren.
Der WSM sieht die Branche in einer schwierigen Lage und fordert von der Politik entschlossenes Handeln. „Wir brauchen Schubkraft statt Stillstand“, betonte der Verband und sprach sich für einen „heißen politischen Herbst“ aus. Das Auftragsplus im ersten Halbjahr sei bereits im Juni wieder ins Minus gedreht – von einer nachhaltigen Erholung könne daher keine Rede sein.
Bremsfaktoren belasten Wettbewerbsfähigkeit
Als Gründe für die schwache Entwicklung nennt der Verband mehrere strukturelle Belastungen. So führen die nach wie vor hohen Energiepreise und Steuern zu erheblichen Mehrkosten. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, die Investitionen und Modernisierungen verzögern. Auch die umfangreiche Bürokratie sowie das Fehlen gezielter Investitionsanreize erschweren es den Unternehmen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Zusätzlich kritisiert der WSM den Zustand der Infrastruktur, der häufig nicht den Anforderungen einer modernen Industrie entspricht.
Über diese hausgemachten Faktoren hinaus leidet die Branche auch unter den von den USA verhängten Zöllen, die den Export zusätzlich erschweren und die Absatzmöglichkeiten auf internationalen Märkten einschränken.
WSM-Geschäftsführer Christian Vietmeyer betonte in diesem Zusammenhang: „Die Koalition muss an einem Strang ziehen und längst überfällige Entscheidungen gemeinsam anschieben. Die entscheidenden Hebel sind bekannt – nur wer sie umlegt, kann dem drohenden Substanzverlust beim industriellen Rückgrat entgegenwirken.“
Erste Maßnahmen greifen, reichen aber nicht aus
Positiv bewertet der Verband die jüngste Abschaffung der Gasspeicherumlage. Sie sei ein Schritt in die richtige Richtung, könne jedoch die strukturellen Probleme nicht lösen. Weitere Entlastungen seien notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Holger Ade, Leiter Industrie- und Energiepolitik beim WSM, forderte in diesem Zusammenhang: „Teure Netzentgelte müssen ebenfalls runter, der Industriestrompreis für alle produzierenden Unternehmen muss her. Nur dann können Mittelständler auf energieabhängige Transformationstechnologien umsteigen.“
Appell an die Politik
Die Branche zeigt sich nach Angaben des Verbands grundsätzlich bereit, in nachhaltige Produktion zu investieren. Voraussetzung dafür seien jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, gezielte Förderung und konkrete Investitionsanreize. Vietmeyer machte deutlich: „Die produzierenden Unternehmen der WSM-Branchen sind bereit, in nachhaltige Produktion zu investieren, benötigen aber Förderung, Anreize und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Zeit des Zögerns ist vorbei – der industrielle Mittelstand braucht einen heißen Herbst mit schnellen politischen Entscheidungen, die die Produktionsbasis stärken und die Wettbewerbsfähigkeit sichern.“