Mit einem symbolischen Spatenstich in Hoogstede (Niedersachsen) hat der Fernleitungsnetzbetreiber Thyssengas den Bau einer der ersten Wasserstoffleitungen zwischen Deutschland und den Niederlanden offiziell gestartet. Die 53 Kilometer lange Verbindung entsteht durch die Umstellung einer bestehenden Erdgasleitung und soll bis 2027 fertiggestellt werden. Sie verknüpft das deutsche Wasserstoffkernnetz mit den niederländischen Importhäfen Amsterdam, Eemshaven und Rotterdam.
Das Projekt mit dem Namen Vlieghuis–Ochtrup gilt als Pioniermaßnahme und markiert den Übergang in die Umsetzungsphase, wie das Dortmunder Unternehmen am 28. August mitteilte. Grundlage ist die Genehmigung des Wasserstoffkernnetzes durch die Bundesnetzagentur im Oktober 2024. Ziel ist es, Industriebetriebe und Kraftwerke im Münsterland künftig zuverlässig mit Wasserstoff zu versorgen.
„Als Fernleitungsnetzbetreiber tragen wir die Verantwortung, die künftige Transportinfrastruktur für Wasserstoff mitzugestalten“, erklärte Thyssengas-Geschäftsführer Dr. Thomas Becker beim Spatenstich. „Wir bringen den Wasserstoff dahin, wo er gebraucht wird – zur Industrie, in Kraftwerke und zu Verteilnetzbetreibern.“
Nach Unternehmensangaben wird die bestehende Erdgasleitung vollständig auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf mehrstufigen Sicherheitsverfahren sowie auf kontinuierlicher Überwachung. Auch Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen während der Bauphase spielen eine zentrale Rolle.
Der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann hob die regionale Bedeutung hervor: „Mit dem Anschluss an das Wasserstoffkernnetz eröffnen sich große Chancen für unsere Region: Wir haben eine ideale Lage, die notwendige Infrastruktur und Unternehmen, die profitieren werden.“
Thyssengas betreibt derzeit ein Gasnetz von rund 4.400 Kilometern Länge in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Das Unternehmen beschäftigt etwa 550 Mitarbeiter an sieben Standorten. Erst Ende Juli hatte der Netzbetreiber weitere Pläne für Wasserstoffleitungen im Rheinland vorgestellt.