Am 6. August 2025 hat das Bundeskabinett ein umfassendes Paket mit sechs energiepolitischen Maßnahmen beschlossen – im Wesentlichen zur Umsetzung des sogenannten Sofortprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums.
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche sagte hierzu: „Deutschland muss wieder wettbewerbsfähig werden. Dafür ist diese Bundesregierung angetreten. Steuerliche Entlastungen haben wir bereits auf den Weg gebracht. Jetzt legen wir nach. Neben dem Kohlendioxid-Speichergesetz und der Vergabebeschleunigung haben wir heute vier wichtige Vorhaben aus dem Energiebereich umgesetzt. Wir entlasten Unternehmen und Verbraucher von der Gasspeicherumlage, wir beschleunigen Geothermie-Projekte, wir beschleunigen die Genehmigung von Windenergieanlagen auf See und von Stromnetzen und wir stärken den Verbraucherschutz. Mit diesem umfangreichen Paket entlasten wir Unternehmen und Verbraucher und schaffen Raum für Innovationen und Investitionen. Das sind wichtige Schritte. Damit wir wettbewerbsfähig werden, braucht es noch weitere mutige Reformen.“
Abschaffung der Gasspeicherumlage
Die Umlage wurde komplett gestrichen – ein Schritt, der insbesondere energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie unmittelbar entlastet. Im Mittel profitieren 99 % der Unternehmen, darunter viele energieintensive Betriebe wie Stahl-, Glas- und Chemieindustrie. Die Entlastung beträgt insgesamt rund 3,4 Mrd. €. Bei einem Vierpersonenhaushalt liegt der jährliche Effekt bei etwa 30 bis 60 €, was auch indirekt die Stromkosten senkt.
Beschleunigter Ausbau von Geothermie, Wärmepumpen und Wärmespeichern
Die Bundesregierung will Genehmigungsverfahren im Wärmesektor deutlich vereinfachen und beschleunigen. So sollen Planfeststellungsverfahren für Wärmeleitungen künftig mit denen für Gas- oder Wasserstoffleitungen gleichgestellt werden. Damit können vorbereitende Arbeiten bereits vor der endgültigen Genehmigung beginnen. Auch der Bau von Großwärmepumpen – beispielsweise zur Nutzung industrieller Abwärme – wird durch vereinfachte Verfahren vorangebracht. Für Wärmespeicher wird ein klarer Rechtsrahmen geschaffen, und Behörden müssen sich an verbindliche Fristen halten. Zudem können künftig verpflichtende Risikodeckungen für mögliche Bergschäden durch Geothermie eingefordert werden.
Gerade für die Stahlindustrie, die im Produktionsprozess große Mengen an Abwärme erzeugt, eröffnen diese Änderungen neue Chancen. Die vereinfachten Rahmenbedingungen ermöglichen es, Abwärme aus Hochöfen oder Walzstraßen effizienter in Fernwärmenetze einzuspeisen oder intern über Wärmepumpen wieder nutzbar zu machen. Damit lassen sich nicht nur Energiekosten langfristig senken, sondern auch CO₂-Emissionen deutlich reduzieren – ein entscheidender Schritt in Richtung klimafreundlicher Stahlproduktion.
Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie (RED III) – Fokus Offshore & Netze
Zur Förderung von Offshore-Windenergie und Netzausbau wurden neue Beschleunigungsflächen eingeführt. Diese Infrastrukturgebiete genießen vereinfachte Zulassungsverfahren für Netze, Offshore-Anbindungsleitungen und Verteilnetze. Eine schneller wachsende Offshore- und Übertragungsinfrastruktur kann langfristig kostengünstigen grünen Strom verfügbar machen – entscheidend für eine klimafreundliche und wettbewerbsfähige Stahlproduktion.
EnWG-Novelle 2025: Verbraucherschutz & Digitalisierung
Mit der EnWG-Novelle 2025 will die Bundesregierung Verbraucherinnen und Verbraucher stärker vor Preissprüngen am Energiemarkt schützen. Künftig müssen Stromanbieter sich gegen Preisrisiken absichern, um extreme Kostensteigerungen wie in der Energiekrise 2022/2023 zu verhindern. Zudem wird sogenanntes „Energy Sharing“ eingeführt, sodass lokal erzeugte Energie gemeinschaftlich genutzt werden kann – etwa in Quartieren oder von Nachbarschaften. Auch der Rollout intelligenter Messsysteme (Smart Meter) wird beschleunigt, da Messstellenbetreiber künftig einfacher zusammenarbeiten dürfen. Für die Stahlindustrie sind vor allem die Marktstabilität und die digitale Infrastruktur von Bedeutung. Preissicherheit bei Strom wirkt sich unmittelbar auf die Kalkulierbarkeit energieintensiver Produktionsprozesse aus. Gleichzeitig können intelligente Messsysteme präzise Verbrauchsdaten liefern, was eine optimierte Laststeuerung und eine flexiblere Fahrweise der Anlagen ermöglicht. In Zeiten schwankender Strompreise bietet das Potenzial, den Energieeinsatz besser auf günstige Zeitfenster zu verlagern – und so Kosten zu senken, ohne die Produktionsleistung zu beeinträchtigen.
Fazit
Die beschlossenen Maßnahmen wirken sich auf die Stahlindustrie in mehrfacher Hinsicht positiv aus.
Die Streichung der Gasspeicherumlage sorgt unmittelbar für spürbare Entlastungen bei den Gasbezugskosten und verbessert damit die Produktionskostenstruktur.
Die vereinfachten Verfahren für Geothermie und Wärmenutzung eröffnen der Branche neue Möglichkeiten, industrielle Abwärme effizient zu nutzen und so langfristig Energiekosten zu senken.
Der beschleunigte Ausbau von Offshore-Windenergie und Netzen schafft perspektivisch einen besseren Zugang zu günstigem, grünem Strom – eine zentrale Voraussetzung für eine klimafreundliche Stahlproduktion.
Schließlich tragen die Digitalisierungsschritte und der verbesserte Verbraucherschutz durch die EnWG-Novelle zu mehr Marktstabilität bei und ermöglichen eine flexiblere Laststeuerung sowie eine präzisere Energieoptimierung in energieintensiven Prozessen.