Der weltweit führende Anbieter von nachhaltigem Edelstahl, Outokumpu, und das nordische Unternehmen Norsk e-Fuel, das sich auf die Entwicklung von Power-to-Liquid-Projekten spezialisiert hat, haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel der Kooperation ist der Aufbau einer Produktionsanlage für synthetische, nachhaltig gewonnene Flugkraftstoffe (eSAF), in der Kohlenmonoxid (CO) aus der Stahlproduktion umgewandelt werden soll. Die geplante CO-to-SAF Anlage soll in direkter Nachbarschaft zum Edelstahlwerk von Outokumpu in Koivuluoto bei Tornio in Finnland errichtet werden. Norsk e-Fuel wird 2026 mit einer Machbarkeitsstudie beginnen. Sollte diese positiv ausfallen, könnte die Investitionsentscheidung etwa 2028 erfolgen, wobei die Produktion voraussichtlich 2032 starten könnte.
Outokumpu würde Kohlenmonoxid-Nebenströme aus der eigenen Ferrochromherstellung als Ausgangsmaterial zur Verfügung stellen. Damit könnten jährlich zwischen 80.000 und 100.000 Tonnen eSAF produziert werden. Das Projekt würde nicht nur zur Erfüllung der eSAF-Quote der Europäischen Union beitragen, sondern auch die Dekarbonisierung der Luftfahrt – einem der am schwierigsten zu dekarbonisierenden Sektoren – vorantreiben. Nach der Inbetriebnahme würde die Anlage für Outokumpu durch eine verbesserte Verwertung von Nebenströmen einen wirtschaftlichen Mehrwert generieren. Zugleich unterstützt das Vorhaben den Dekarbonisierungspfad des Unternehmens: Die direkten CO₂-Emissionen könnten um 200.000 Tonnen jährlich reduziert werden, was etwa 20 Prozent der weltweiten direkten Emissionen von Outokumpu entspricht. Darüber hinaus trägt das Projekt zur EU-Energiewende bei und stärkt durch den Aufbau einer heimischen Kraftstoffproduktion die Resilienz und strategische Autonomie Europas.
Projektentwicklung und Investitionsvolumen
Die Projektentwicklung wird federführend von Norsk e-Fuel übernommen. Das Unternehmen bringt langjährige Erfahrung und ein starkes Partnernetzwerk ein, um Engineering-Dienstleistungen zu erbringen, die Finanzierung sicherzustellen und künftige Abnehmer für die produzierten Kraftstoffe zu gewinnen. Norsk e-Fuel, das für die Projektfinanzierung zuständig ist, veranschlagt die Investition auf rund 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro und rechnet mit der Schaffung von etwa 250 neuen Arbeitsplätzen vor Ort.
Statements der Unternehmensvertreter
"Die Dekarbonisierung steht im Zentrum der Outokumpu-Strategie und unterstreicht unsere Vision, bei nachhaltigen Materialien und Technologien führend zu sein. Wir suchen kontinuierlich nach intelligenten Wegen, um Klimagasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Unser Kemi-Tornio-Ökosystem bietet eine hervorragende Plattform, um die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken und gleichzeitig wirtschaftlichen Mehrwert für Outokumpu zu schaffen. Die Partnerschaft mit Norsk e-Fuel zeigt, dass sich Outokumpus Engagement für Nachhaltigkeit nicht nur auf eine emissionsarme Edelstahl- und Ferrochromproduktion beschränkt, sondern auch die Nutzung unserer Nebenströme einschließt", erklärte Martti Sassi, Vorstand für den Geschäftsbereich Ferrochrom bei Outokumpu.
"Die Zusammenarbeit mit Outokumpu bringt zwei Unternehmen mit komplementären Stärken und einem gemeinsamen Anspruch zusammen, die Energiewende in Finnland und Europa voranzubringen. Die industrielle Plattform und die verfügbaren Nebenströme von Outokumpu bilden in Kombination mit unserer Erfahrung in der Entwicklung von Power-to-Liquid-Projekten eine starke Basis für eine wettbewerbsfähige eSAF-Produktion in Tornio. Wir schätzen die Offenheit und den Anspruch, den Outokumpu in diese Partnerschaft einbringt, und freuen uns darauf, die Potenziale dieses eSAF-Projekts zu evaluieren, das sowohl die Dekarbonisierung der Luftfahrt als auch die Energiesicherheit Europas unterstützen wird", sagte Lars Bjørn Larsen, CCO von Norsk e-Fuel.
Finnland als optimaler Standort
Dank eines reichlichen Angebots an sauberem Strom, staatlicher Förderung für den Aufbau einer Wasserstoffindustrie und dem Zugang zu relevanten Ressourcen gehört Finnland zu den besten Standorten Europas für die eSAF-Herstellung. Innerhalb Finnlands sticht die Region Bottenwiek durch ihre robuste industrielle Infrastruktur und den Zugang zu recycelten Kohlenstoffströmen hervor. Outokumpu in Tornio bietet dabei die wettbewerbsfähigsten verfügbaren Kohlenstoffquellen. Der Kohlenmonoxidstrom (CO) ist ganzjährig kontinuierlich in großen Mengen und Konzentrationen verfügbar und wird an einem einzigen Standort erfasst. Dies ermöglicht eine eSAF-Produktion mit geringeren Investitions- und Betriebskosten im Vergleich zu Projekten, die auf abgeschiedenem CO₂ basieren. Somit bietet Outokumpu am Standort Tornio optimale Bedingungen für eine großangelegte und kosteneffiziente eSAF-Produktion in Europa.
Ausbau des Kreislaufwirtschafts-Ökosystems
Die geplante eSAF-Anlage soll zu einem Referenzprojekt des zirkulären Ökosystems von Outokumpu im Gebiet Koivuluoto-Tornio werden. Die Zusammenarbeit mit Norsk e-Fuel markiert die erste industrielle Entwicklung in diesem Areal und unterstützt Outokumpus Zielsetzung, ein lebendiges Kreislaufwirtschafts-Ökosystem aufzubauen.
"Unser Standort Tornio gehört bereits heute zu den größten Recycling-Hubs Europas und verarbeitet jährlich über eine Million Tonnen Stahlschrott. Unsere langfristige Vision ist es, im Gebiet Koivuluoto mehrere neue Projekte anzusiedeln, die weitere Nebenströme nutzen und neue Partner für das Ökosystem anziehen", so Tommi Silvennoinen, Senior Manager Strategic Partnerships in CCUS and New Energy Solutions bei Outokumpu.