Am 2. März veröffentlichten ResponsibleSteel und die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) einen umfassenden Bericht mit dem Titel „Driving just transitions in the mining & steel sectors: The role of voluntary sustainability standards“. Darin wird erläutert, wie freiwillige Nachhaltigkeitsstandards dazu beitragen können, den Wandel in der Bergbau- und Stahlindustrie fair und inklusiv zu gestalten. Der Bericht ist der erste seiner Art und wurde gemeinsam von Organisationen aus beiden Branchen erarbeitet.
Die Dekarbonisierung der Industrie gilt weltweit als dringende Aufgabe. Besonders der Bergbau- und der Stahlsektor stehen unter starkem Druck, ihre Prozesse umzustellen. Der bevorstehende Wandel wird tiefgreifende Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit sich bringen – von der Rohstoffgewinnung bis zur Stahlproduktion. Diese Entwicklungen können große Auswirkungen auf Arbeitsplätze, regionale Wirtschaften und Lieferketten haben.
Mit der Transformation könnten sich auch Beschäftigungsstrukturen verändern. Wenn traditionelle Hochofenstandorte schließen, kann dies zu Arbeitsplatzverlusten führen. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach höherwertigem Eisenerz steigen, ebenso wie der Bedarf an aufbereitetem Erz. Neue Produktionsverfahren, etwa auf Basis von Strom oder Wasserstoff, erfordern zudem umfangreiche Investitionen in erneuerbare Energien sowie Anpassungen in Transport- und Logistiksystemen.
Auch im Bergbau zeichnen sich bereits Veränderungen ab. Die Nachfrage nach Kohle geht zurück, während gleichzeitig der Bedarf an kritischen Mineralien und Metallen zunimmt. Diese Entwicklungen sind zwar wichtig für den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft, können jedoch neue soziale oder ökologische Probleme entlang der Lieferketten mit sich bringen. Deshalb betont der Bericht, dass ein ganzheitlicher Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg notwendig ist.
Unterstützung für betroffene Regionen und Beschäftigte
Ein zentrales Anliegen der Transformation ist es, Beschäftigte und betroffene Gemeinschaften nicht zurückzulassen. Gewerkschaften, lokale Gemeinschaften und Organisationen für indigene Rechte fordern daher von Politik und Industrie, dass der Wandel nicht nur schnell, sondern auch gerecht gestaltet wird.
Freiwillige Nachhaltigkeitsstandards können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie tragen dazu bei, das Bewusstsein für eine sozial gerechte Transformation zu stärken und bieten Leitlinien sowie Rahmenwerke, die Unternehmen bei der Umsetzung unterstützen können.
Annie Heaton, CEO von ResponsibleSteel, kommentierte: „Die Dekarbonisierung ist eines der drängendsten globalen Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind. Wenn wir jedoch ihre sozialen Auswirkungen ignorieren, riskieren wir schwerwiegende unbeabsichtigte Folgen. Mit rund sechs Millionen Beschäftigten in der Stahlindustrie und weiteren 20 Millionen im Bergbau – plus Millionen weiteren in Lieferketten und Gemeinden, die von diesen Branchen abhängig sind – muss die Industrie mit Arbeitnehmern, Gemeinden und Regierungen zusammenarbeiten, um zu überlegen, wie der Übergang so geplant werden kann, dass er sowohl den Menschen als auch dem Planeten zugute kommt.“
Ziel des Projekts
Der Bericht ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts von ResponsibleSteel und IRMA. Ziel war es, zu untersuchen, wie freiwillige Nachhaltigkeitsstandards eine sozial verantwortliche Transformation in energieintensiven Industrien wie Bergbau und Stahl fördern können.
Dazu wurden Erwartungen verschiedener Akteure analysiert, gemeinsame Positionen identifiziert und bestehende Unterschiede herausgearbeitet. Außerdem wurden relevante Stakeholder einbezogen, um mögliche Ansätze, Rahmenwerke oder Prinzipien für eine gerechte Transformation zu entwickeln. Das Projekt wurde durch den ISEAL Innovations Fund finanziert, der vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft unterstützt wird.