Am 15. September 2025 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Monitoringbericht zur Energiewende vorgestellt. Der Bericht wurde von den Instituten BET und EWI im Auftrag der Koalitionsparteien aus dem Koalitionsvertrag erstellt und soll den aktuellen Stand der Energiewende in Deutschland aufzeigen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche präsentierte auf dieser Grundlage zehn zentrale Maßnahmen, die die Energiewende neu ausrichten sollen. Sie betonte, dass sich Deutschland an einem Wendepunkt befinde und mehr Pragmatismus sowie Realismus nötig seien. Trotz der Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien – mittlerweile stammen fast 60 % des Stroms aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen – müssten Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit stärker in den Fokus rücken.
Die von Reiche vorgeschlagenen zehn Schlüsselmaßnahmen sind:
- Ehrliche Bedarfsermittlung und realistisches Planen
- Förderung erneuerbarer Energien, die markt- und systemdienlich sind
- Gleichzeitiger Ausbau von Netzen, erneuerbaren Energien und dezentraler Flexibilität
- Schnelle Einführung eines technologieoffenen Kapazitätsmarktes
- Förderung der Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems
- Erhalt und Ausbau einheitlicher und liquider Energiemärkte
- Überprüfung der Förderregime, systematische Reduzierung von Subventionen
- Vorantreiben zukunftsgerichteter Forschung und Förderung von Innovationen
- Praktische Unterstützung beim Hochlauf von Wasserstoff, insbesondere durch Vereinfachung übermäßig komplexer Vorgaben
- Etablierung von CCS/CCU (Kohlenstoffabscheidung bzw. -nutzung) als Klimaschutztechnologien
Reiche machte deutlich, dass „sichere, saubere und bezahlbare Energie“ Voraussetzung für den Erhalt von Arbeitsplätzen, Wettbewerbsfähigkeit und sozialem Zusammenhalt sei. Außerdem warnte sie vor Fehlinvestitionen und Überregulierung und sprach sich stattdessen dafür aus, auf Märkte, eine Vielfalt an Technologien und Innovation zu setzen.
Stellungnahme der Stahlindustrie
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl, vertreten durch ihre Hauptgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel, begrüßte grundsätzlich die Initiative und die vorgeschlagenen Maßnahmen. Sie lobte, dass die Bundesregierung klare Schritte zur Nachsteuerung unternimmt.
Gleichzeitig sieht die Stahlindustrie bei mehreren wichtigen Punkten dringenden Handlungsbedarf:
Die Stahlindustrie weist darauf hin, dass die Energiepreise im internationalen Vergleich zu hoch seien und fordert daher wirksame Entlastungen für energieintensive Unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu sichern. Zudem mahnt sie eine höhere Versorgungssicherheit an, die durch ausreichende Back-Up-Kapazitäten für wind- und sonnenarme Zeiten gewährleistet werden müsse. Ein Kapazitätsmechanismus sei dafür notwendig, dürfe allerdings nicht zu einer zusätzlichen Verteuerung der Stromkosten führen. Darüber hinaus drängt die Branche auf einen beschleunigten Hochlauf von Wasserstoff, der für die Dekarbonisierung der Stahlproduktion von zentraler Bedeutung ist. Damit die erforderlichen Investitionen getätigt werden können, müssten die regulatorischen Rahmenbedingungen flexibler gestaltet und zeitnah angepasst werden.
Gemeinsame Zielrichtung und Kritik
Beide, Bundesregierung und Stahlindustrie, sind sich einig darin, dass die Energiewende entschlossen weitergeführt werden muss. Sie setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte: Die Regierung verfolgt einen umfassenden, systemischen Ansatz mit breitem Maßnahmenpaket; die Stahlindustrie legt den Fokus vor allem auf Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und den Wasserstoffausbau.
Kritische Stimmen – etwa von der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Bundestagsfraktion – warnen, die Pläne könnten den Ausbau der Erneuerbaren bremsen. Sie sehen auch die Gefahr, dass durch einen technologieoffenen Kapazitätsmarkt neue Abhängigkeiten von fossilen Energien entstünden.