Deutschlands Wasserstoff-Offensive steht nicht vor einem Wasserproblem. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin belegt in einer aktuellen Analyse: Die geplanten Elektrolyse-Anlagen bis 2030 verbrauchen nur 0,15 Prozent der heutigen Wasserentnahme. Entscheidend für den Erfolg sind andere Faktoren.
Zehn Gigawatt brauchen 26 Millionen Kubikmeter
Die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) sieht bis 2030 eine Elektrolyseleistung von zehn Gigawatt vor. Aktuell sind nur 170 Megawatt installiert – gerade mal 1,7 Prozent des Ziels. Die DIW-Modellanalyse vom 13. August rechnet für das Zehn-Gigawatt-Ziel mit einem jährlichen Wasserbedarf von rund 26 Millionen Kubikmetern.
Studienautorin Dana Kirchem erklärt die Rechnung: "Ein Kilogramm Wasserstoff benötigt neun Liter deionisiertes Reinstwasser plus Kühlwasser." Insgesamt fallen je nach Wasserquelle etwa 35 Liter Frischwasser pro Kilogramm Wasserstoff an.
Norddeutschland profitiert von Offshore-Wind
Das DIW identifiziert Schleswig-Holstein als optimalen Elektrolyse-Standort – dank günstiger Offshore-Windenergie. "Bundesländer mit hohem Potenzial für erneuerbare Energien, idealerweise Offshore-Windkraft, bieten die besten Voraussetzungen", betont Kirchem.
Ohne das geplante 9.040 Kilometer lange Wasserstoffkernnetz würde sich die Produktion jedoch näher zu den Verbrauchszentren verlagern. Der Netzausbau wird damit zum entscheidenden Standort-Enabler.
Wasserkosten spielen kaum eine Rolle
Die Wasserkosten belasten die Elektrolyse-Wirtschaftlichkeit minimal: Sie machen lediglich 0,5 Prozent der Gesamtkosten aus. Selbst eine bundesweite Harmonisierung auf Berlins Höchstniveau von 31 Cent pro Kubikmeter würde Standortentscheidungen kaum beeinflussen.
Meerwasser als regionale Lösung
Bei lokalem Wasserstress empfiehlt das DIW alternative Quellen. Entsalztes Meerwasser steht Küstenländern unbegrenzt zur Verfügung. Bereits 2023 hatte der DVGW auf solche Alternativen wie aufbereitetes Klärwasser hingewiesen.