China hat offiziell den umfassenden Aufbau einer nationalen Wasserstoffwirtschaft eingeleitet. Auf dem 4. Plenum des 20. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, das vom 20. bis 23. Oktober 2025 in Peking stattfand, stufte die Führung Wasserstoff erstmals als zentrale „Zukunftstechnologie“ ein.
Diese Entscheidung markiert den Auftakt zu einer neuen industriepolitischen Großinitiative, die in ihrer Bedeutung mit früheren Förderprogrammen für Photovoltaik und Batterien vergleichbar ist. Sie bildet zugleich die strategische Grundlage für den 15. Fünfjahresplan (2026–2030).
Mit dem neuen Kurs verfolgt China das Ziel, technologische Durchbrüche im industriellen Maßstab zu erreichen und eine regionale Versorgung mit erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff sicherzustellen. Dazu sollen ein leistungsfähiges Innovationssystem sowie eine landesweite Infrastruktur entstehen.
Weltweit führend bei Produktion, Verbrauch und Infrastruktur
Bereits jetzt nimmt China im globalen Wasserstoffsektor eine Spitzenposition ein. Nach Angaben von Liu Deshun, Generaldirektor der Wissenschafts- und Technologieabteilung der Nationalen Energiebehörde (NEA), erreichten Produktion und Verbrauch im Jahr 2024 zusammen 36,5 Millionen Tonnen – weltweit der höchste Wert.
Auch bei der Infrastruktur liegt das Land vorn: Mehr als 560 Wasserstofftankstellen und über 25.000 Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge sind in Betrieb. Etwa die Hälfte der weltweiten Erzeugungskapazität für erneuerbaren Wasserstoff entfällt inzwischen auf China.
In den vergangenen Jahren wurden zudem 27 neuartige Wasserstofftechnologien als „First-of-a-kind“-Lösungen identifiziert. Laut NEA befindet sich die Branche dank gezielter staatlicher Unterstützung aktuell in einer Phase beschleunigter Expansion.
Rund 600 Projekte für grünen Wasserstoff in Planung
Ein wichtiger Schritt war die Aufnahme von Wasserstoff in das nationale Energiegesetz im Jahr 2024. Damit wurde der Energieträger erstmals offiziell in die staatliche Energiepolitik integriert – ein deutliches Signal für seine strategische Bedeutung. Prognosen zufolge könnte die weltweite Nachfrage bis 2050 auf mehrere hundert Millionen Tonnen steigen, wobei grüner Wasserstoff den größten Anteil ausmachen dürfte.
Lin Boqiang, Direktor des China Institute for Studies in Energy Policy an der Universität Xiamen, unterstreicht die zunehmende Rolle von grünem Wasserstoff und grünem Methanol für Chinas Klimaziele. Wasserstoff sei ein flexibel einsetzbarer, CO₂-armer Energieträger, der gemeinsam mit anderen Technologien den Aufbau eines neuen integrierten Energiesystems vorantreiben könne.
Ende 2024 verfügte China über eine jährliche Produktionskapazität von mehr als 50 Millionen Tonnen Wasserstoff. Landesweit sind rund 600 Projekte im Bereich erneuerbarer Wasserstoff geplant, davon etwa 100 bereits in Betrieb – gemeinsam mit einer Kapazität von rund 220.000 Tonnen pro Jahr.
Die wichtigsten Produktionsstandorte liegen in den ressourcenreichen Regionen Nord-, Nordost- und Nordwestchinas. Durch die Anbindung von Wasserstoffvorhaben an bestehende erneuerbare Energiecluster sollen regionale Potenziale besser genutzt und neue Wachstumsfelder erschlossen werden.