Altena im Sauerland gilt als Wiege der deutschen Drahtindustrie. Aus dieser Tradition heraus hat sich über Generationen eine vielfältige Drahtcommunity entwickelt, die bis heute prägend für die Branche ist. Mittendrin: die Fritz Finkernagel Drahtwerk GmbH & Co. KG, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert und sich auf der wire 2026 in Düsseldorf präsentiert hat.
Jubiläum als Botschaft am Messestand
Erst zwei Wochen vor Messebeginn hatte das Unternehmen sein 100-jähriges Firmenjubiläum begangen. Die „100", die das Team auf dem Düsseldorfer Messestand in die Höhe hielt, steht dabei für ein Jahrhundert Erfahrung, Verlässlichkeit und kontinuierliche Entwicklung. Auf der wire 2026 setzt Finkernagel auf den persönlichen Austausch – sowohl mit langjährigen Partnern als auch mit neuen Kontakten. Inhaltlich standen aktuelle Marktthemen im Fokus: steigende Anforderungen, Veränderungen in der Nachfrage und die Frage, wie sich gemeinsame Lösungen weiterentwickeln lassen.
Nachhaltigkeit als Schwerpunkt
Ein weiterer zentraler Punkt war das Thema Nachhaltigkeit. Finkernagel setzt unter anderem auf eigenen Strom durch Photovoltaik, eine Reduzierung der CO₂-Emissionen entlang der gesamten Prozesse sowie effiziente Produktionsverfahren wie die Draht-Oberflächenprüfung zur Fehlermarkierung.
Rückblick auf 100 Jahre Unternehmensgeschichte
Gegründet wurde das Unternehmen am 1. April 1926. Die Entscheidung, das Jubiläum bewusst intern mit den Mitarbeitenden zu feiern, fiel früh. Die Feier fand am Mittag des 1. April 2026 im Fertiglager des Drahtwerks statt – inklusive einer Geburtstagstorte mit einer „100", die von einem Gabelstapler hereingebracht wurde.
Geschäftsführer Fritz Uwe Finkernagel erinnerte in seiner Rede an mehrere Stationen aus der Firmengeschichte. Aus der Gründerzeit seines Großvaters berichtete er von einem Besuch eines Drahtziehereichefs, der dem Gründer den Verkauf nahegelegt habe: „Fritz, das, was Du hier machst, hat doch alles keinen Sinn. Verkauf' den Laden an mich und fang' bei mir als Verkäufer an!" Das Angebot wurde abgelehnt.
Eine weitere Erinnerung führte ins Jahr 1961, als das Unternehmen 15 Mitarbeitende beschäftigte. Sein Vater habe ihm erzählt, dass ein Mitarbeiter in der Beize sich vor seiner 10-Stunden-Schicht zunächst mit Jute einwickelte, um seinen Körper vor der Säure zu schützen.
Als bedeutendes Investitionsjahr nannte Fritz Uwe Finkernagel 1997, in dem die vollautomatische Beiz- und Beschichtungsanlage in Betrieb genommen wurde. Diese Anlage wird im kommenden Jahr 30 Jahre alt. Auch der Grobzug GZ 30 aus dem Jahr 1990 sei in seiner Bauweise mit aktuellen Anlagen aus 2025 weiterhin vergleichbar.
Generationswechsel und Ausblick
Mit Timo Finkernagel steht die nächste Generation in der Geschäftsführung bereit, um das Unternehmen in das nächste Jahrhundert zu führen. In seiner Rede verwies Timo Finkernagel darauf, dass am Tag des 100-jährigen Bestehens auch ein neuer Mitarbeiter, Dominik Marks, in der Beize seine Tätigkeit aufnahm.
Zur aktuellen Marktlage erklärte er: „Wir befinden uns aktuell in herausfordernden Zeiten, in einer anspruchsvollen Branche." Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass das Produkt auch künftig gebraucht werde und sich Finkernagel im internationalen Wettbewerb behaupten könne.
Bewusst entschied sich das Unternehmen gegen eine klassische große 100-Jahr-Feier mit Prominenz und Protokoll. „Stattdessen haben wir uns gesagt, wenn wir 100 Jahre feiern, dann mit den Menschen, die jeden Tag dazu beitragen, dass dieses Unternehmen überhaupt existiert, nämlich mit euch", so Timo Finkernagel. Im Sommer ist eine gemeinsame Feier mit den Mitarbeitenden und ihren Familien geplant, ergänzt durch Betriebsführungen und ein Rahmenprogramm für Kinder.
Über Finkernagel
Die Fritz Finkernagel Drahtwerk GmbH & Co. KG aus Altena in Nordrhein-Westfalen versorgt Zulieferer aus der Automobil-, Bau-, Elektro- und Maschinenbauindustrie mit Kaltstauchdraht und Umformwerkzeugen. Das Unternehmen setzt auf moderne Anlagen, eine Oberflächenprüfung mittels Wirbelstroms sowie eine konsequente Einzelringverfolgung. Finkernagel beschäftigt 90 Mitarbeitende. Auf einer Produktionsfläche von 25.000 m² werden pro Monat rund 3.000 Tonnen Draht und 850 Werkzeuge verarbeitet.