Thema des Monats November 2011

Die gesamte Wertschöpfungskette von der Erkundung über den Abbau bis zum Recycling metallischer Rohstoffe will das kürzlich eröffnete Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie erforschen. Dass die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte und bundesweit einzigartige Einrichtung in der sächsischen Bergstadt aufgebaut wurde – es hätte keinen symbolischeren Ort dafür geben können. In Sachsen werden derzeit intensiv Erkundungen und mitunter sogar schon der Abbau von metallischen Rohstoffen vorangetrieben.

Neunzehn Jahre nach der Schließung des letzten Erzbergwerks im sächsischen Erzgebirge wurde im vergangenen Jahr wieder eine Grube eröffnet: In Niederschlag will die Betreiberfirma, die Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatcompagnie EFS Geos GmbH, Fluss- und Schwerspat abbauen – und die Rentabilität einheimischer Rohstoffförderung demonstrieren. Eine Demonstration mit Ansteckungspotenzial. Im Frühjahr erhielt der Solartechnologiekonzern Solarworld die Aufsuchungsrechte für Lithiumvorkommen in Zinnwald südlich von Dresden. Die Deutsche Rohstoff AG treibt mit ihrer Tochterfirma Tin International Limited die Entwicklung von Zinnvorkommen in Gottesberg und Geyer im Westerzgebirge voran. Und das Unternehmen Saxony Minerals and Exploration will in der Nähe des südsächsischen Breitenbrunn nach Wolfram und Zinn suchen.

Abb. 1: Arbeiten in einer Mine des polnischen Konzerns KGHM, dem nach eigenen Angaben neungrößten Kupferproduzenten weltweit. KGHM hat vom Sächsischen Oberbergamt die Erlaubnis zur Erkundung von Kupfer-, Blei-, Zink- und Silbervorkommen in Weißwasser (Ostsachsen). (Pressebild KGHM)

Treibende Faktoren: Rohstoffpreise und gute Erkundungsdaten

Dieser Boom – mitunter auch als neues „Berggeschrey“ bezeichnet – spiegelt sich auch in den Statistiken des Sächsischen Oberbergamtes wider. Für die Erkundung von Erz- und Spatvorkommen hat das Amt laut Abteilungsleiter zentrale Aufgaben Martin Herrmann seit 2005 acht Unternehmen 13 Bergbauberechtigungen zur Erkundung und zwei zur Gewinnung von Erzen und Spaten erteilt – nicht eingerechnet erloschene oder aufgehobene Genehmigungen. Offen seien zudem zwei konkurrierende Gewinnungs- und weitere acht Erkundungsanträge. Die Zunahme der Anträge erklärt Herrmann zum einen mit gestiegenen Rohstoffpreisen und der Gefahr der Rohstoffverknappung: „Insoweit wurde die Verfügbarkeit einheimischer Rohstoffe politisch und unternehmerisch deutlich höher bewertet, als dies über die letzten Jahrzehnte der Fall war.“ Zum anderen, so Herrmann, müssten Unternehmer in Sachsen nicht bei null anfangen: „Speziell in Sachsen kommt hinzu, dass für eine Vielzahl von Lagerstätten vergleichsweise gute Erkundungsdaten aus DDR-Zeiten verfügbar sind.“ Das sächsische Wirtschaftsministerium habe die mit einem Rohstoffkataster der 139 wichtigsten sächsischen Lagerstätten auf den neuesten Stadt bringen lassen.

Abb. 2: Produktion einer Röhre für die Ostseepipeline der Nord Stream Ag in einem Werk des Unternehmens Europipe. Um die Rohre für Pipelines korrosionsresistenter zu machen, wird zum Teil Molybdän zulegiert. (Pressebild Nord Stream AG)

Kupfer für die Drahtindustrie, Molybdän für Rohrhersteller

Für die Draht- und Kabelbranche dürften vor allem die Erkundungen nach Kupfer im Gebiet um Spremberg an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg und bei Weißwasser von Interesse sein. Kupfer ist nach wie vor der wichtigste Rohstoff bei der Kabelproduktion. Nach Angaben des Fachverbands Kabel und isolierte Drähte sind beispielsweise etwa 90 Prozent der im Automobilbereich verwendeten Kabel und Drähte aus Kupfer. In der Stätte Spremberg lagern der Kupferschiefer Lausitz (KSL) GmbH zufolge etwa 200 Millionen Tonnen gewinnbares Kupfererz. Das Unternehmen will hier ab 2017 Kupfererz fördern. Im Frühjahr fanden laut Unternehmenssprecherin Pia Verheyen umfangreiche seismische Erkundungen statt. Die Ergebnisse dafür sollen innerhalb der kommenden drei Wochen veröffentlicht werden. Die Auswirkungen einer eventuellen Kupferförderung in Deutschland auf die Kabelbranche ließen sich im Moment schwer einschätzen, sagt Wolfgang Reitz vom Fachverband Kabel und isolierte Drähte. Dringlichkeit, neue Quellen zu erschließen, gebe es aber nicht: „Im Moment haben wir bei Kupfer kein Verfügbarkeitsproblem.“ Zudem werde sich eine einheimische Kupferförderung auch kaum auf den Preis für den Rohstoff und damit die Draht- und Kabelpreise auswirken: „Der Kupferpreis wird ohnehin an der Börse ermittelt.“

Auch die Pipelinehersteller dürften nach Sachsen schauen. Gleich an mehreren Orten wird dem Sächsischen Oberbergamt zufolge Molybdän vermutet, einige Unternehmen wie Tinco Exploration aus Kanada wollen genau danach suchen. Das Metall gilt als sehr hart und korrosionsresistent und wird bei der Stahlherstellung als Legierungselement eingesetzt. Mit Molybdän versetzter Stahl wird nach Angaben des australischen Beratungsunternehmens für unter anderem Pipelineprojekte, Construction and Development Solutions, verstärkt bei Pipelines verwendet, die extremen Temperatur- und Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Hauptproduzenten des Metalls waren 2010 China, USA und Chile. Die größten Reserven lagern der amerikanischen wissenschaftlichen Behörde „US Geological Survey“ in China und den USA. Die Verwendung von Molybdän bestätigt auch der Rohrhersteller Europipe, der unter anderem einen Großteil der Rohre für die Ostseepipeline hergestellt hat. Allerdings würden nur kleine Mengen des Metalls eingesetzt, teilte Unternehmenssprecher Oliver Perrey mit: „Bei den von Europipe verwendeten Rohrleitungsstählen wird Molybdän, wenn überhaupt, nur zu einem äußerst geringen Volumenprozentanteil zulegiert.“

Wer vom neuen Bergbauboom in Sachsen profitiert, bleibt also abzuwarten. Ohnehin sei Zurückhaltung angebracht, sagt Martin Herrmann vom Sächsischen Oberbergamt: „Die meisten Vorhaben sind Erkundungen.“


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