"Man muss das Ganze sehen"

Johann Vielhaber, ASMAG/SEUTHE GmbH, über digitale Entwicklungen in der Produktion

© ASMAG/SEUTHE GmbH

Ing. Johann Vielhaber © ASMAG/SEUTHE GmbH

Tube: Herr Vielhaber, es heißt „Digitalisierung verändert unsere Welt. Das Internet und moderne Technologien prägen zunehmend die produzierende Industrie. Wir stehen vor einem entscheidenden Wandel – an der Schwelle zur Industrie 4.0.“ Sehen Sie das auch so?

Johann Vielhaber: Zumindest muss man das differenzierter betrachten. Die digitale Entwicklung vollzieht sich exponentiell. Für menschliche Gehirne ist exponentielles Wachstum kontraintuitiv. Bei aller Technikverliebtheit und den unzähligen Möglichkeiten, die der Menschheit heute mit allen technischen Innovationen offenstehen, muss man sich an bestimmten Punkten immer wieder fragen: Macht das wirklich Sinn? Was von all dem brauche ich, beziehungsweise mein Kunde, wirklich?

Wir als Ingenieure müssen an dieser Stelle ganz neue Verantwortlichkeiten übernehmen. Ich sehe hier für meine Unternehmen die Verpflichtung, nicht alles einzubauen und anzubieten, was geht, sondern in der Tat nur das, was wirklich notwendig ist und meine Anlage ausschließlich besser, aber nicht komplizierter und anfälliger macht. Technik ist doch kein Selbstzweck.

Wer seinen gesunden Hausverstand aussperrt und den gesamten Prozess nicht mehr als solchen betrachtet, der verkehrt die Segnungen der Technik ins Gegenteil und verwirkt das Gute daran.

T: Aber der Fortschritt ist doch nicht aufzuhalten, und wer nicht mit den Wölfen heult, bleibt auf der Strecke, oder?

JV: Zweifelsohne hat Technik das Potential, alles besser zu machen. Zusammen mit unserem Innovationsstreben hat beides zusammen die Menschheit in unsere heutige, moderne Zivilisation geführt – Wandel war gestern, ist heute und wird auch morgen sein. Der Mensch hat sich immer schon mit technischen Instrumenten darangemacht, seinen beschränkten Erkenntnisapparat zu optimieren.

Aber alle wirklich bahnbrechenden Errungenschaften des homo sapiens angefangen in der Stein-, Eisen-, Kupfer- oder beispielsweise im Bronzezeitalter existieren doch bis heute – sie wurden mit modernen Technologien wie etwa der Speiche - nur jeweils auf den Stand der Technik gebracht.

Ein Rad bleibt immer ein Rad, nur die profunde Verbesserung seiner Materialeigenschaften, der damit möglich gewordene, veränderte Antrieb, hat, wenn ökonomisch machbar, die Menschheit einen Riesenschritt weiter vorangebracht.

© ASMAG/SEUTHE GmbH

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T: Aber das heißt doch, dass Erfindungen allen zur Verfügung stehen sollten – nicht nur den Patentnehmern. Wie das Rad, das hat die Welt im wahrsten Sinne des Wortes bewegt –…

JV: Die erfolgreichsten Erfindungen der Welt waren noch nicht wie heute mit Patenten geschützt. Alle, die klug genug waren, konnten sie für sich nutzen. Sie haben das Leben zumeist einfacher, besser oder schöner gemacht: Der Faustkeil vor über 2 Mio. Jahren oder die Beherrschung des Feuers, die Metallverarbeitung die Dampfmaschine und das Internet - um nur einige Beispiele zu nennen.

Die besten Vorlagen für einige Erfindungen hat uns die Natur selbst geliefert – so den Klettverschluss, den Saugnapf oder den Lotuseffekt. Heute kommen Erfindungen im Sekundentakt dazu. Desto zivilisierter unsere Welt wurde, umso mehr Patente wurden erfunden, um Tag für Tag die Welt zu verbessern.

2014 gab es weltweit die höchste Quote überhaupt Da muss man schon mit Argusaugen aufpassen, dass man sich nicht vor einen Karren spannen lässt oder einfach mitgezogen wird, sondern selbst bestimmt, in welche Richtung man will. Ein Leben ohne Smartphone erscheint der letzten Generation nahezu unmöglich, während deren Eltern alle Mühe haben, noch auf dem Stand der Technik zu bleiben.

Fazit: Internet, Smartphone und Vernetzung bergen ungeahnte Möglichkeiten, sich selbst das Ende der Welt in greifbare Nähe zu holen, aber: Die Geräte, Maschinen und Autos – das ganze Leben um uns herum wird immer komplizierter, während auf der anderen Seite alles immer preiswerter werden soll. Wie soll das funktionieren?

T: Bringt das die Globalisierung nicht mit sich? Die ganze Welt steht uns doch offen – auch deren Arbeitskräfte und Ressourcen.

JV: Nur ist es so, dass bei uns immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, wenn lohnintensive Arbeit bis zur kompletten Produktion in Schwellenländer verlagert wird. Unsere Kinder müssen aber auch noch eine Zukunft und Arbeit haben. Unsere Auszubildenden von heute sind in zehn Jahren die Leistungsträger unserer Gesellschaft.

Für ASMAG gibt es wenigstens zwei Gründe, in Österreich und Deutschland zu fertigen: Der eine ist die Sicherung von heimischen Arbeitsplätzen, der zweite die umfänglichste Qualitätsgarantie der Welt: „Made in Austria“ und „Made in Germany“ – das ist für mich und in der Welt ein verbindliches Qualitätsversprechen, das ich mit eigener Fertigung allein in der Hand habe und auch ausnahmslos kontrollieren kann: ich weiß, was ich meinen Kunden verkaufe – denn bei uns steht nicht nur „Made in“ drauf, sondern bei uns ist auch „Made in Austria and Germany“ drin.

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T: Hohe Qualität und eigene Fertigung - macht das ASMAG-Anlagen nicht teurer als sie beispielsweise der Wettbewerb anbietet?

JV: Selbstverständlich – aber unser Kunde bekommt ja auch wesentlich mehr. Die Investition in eine Anlage lässt sich doch bei weitem nicht allein über den Einkaufspreis bewerten – dazu gehören auch noch drei Jahre Betrieb.

Erst dann kann der Kunde alle Faktoren zusammenzählen – von Bedienerfreundlichkeit, Betriebssicherheit, Langlebigkeit, Verfügbarkeit bis zur Funktionalität: Ist das die Lösung, die ich gesucht habe, die ohne Störungen so läuft, so, wie ich sie mir vorgestellt habe?

Erst dann stellt sich heraus, ob die Entscheidung für eine Anlage richtig oder falsch war. Wir sind auch nach dem Verkauf immer für unsere Kunden erreichbar, versuchen auch aus schwierigen Situationen etwas Besseres zu machen, anstelle nach Ausreden zu suchen.

In der Asmag Group werden jetzt seit Jahrzehnten robuste, langlebige, solide und hochwertige Maschinen gebaut. Mit jedem Verkauf einer Anlage ist auch stets das Bestreben verbunden, Vertrauen zu schaffen. Nur ein zufriedener Kunde kommt wieder zurück – und wir haben in all den Jahren, die wir jetzt auf dem Markt sind, noch nie einen verloren.

T: Soll das heißen, ASMAG verzichtet auf Gewinne zugunsten einer besseren Qualität?

JV: Ja, das tun wir. Aber nicht allein dafür. Es geht schon um mehr. Nachhaltigkeit heißt auch Verantwortung, und nicht allein Geld zur Bank tragen. Gewinn ist notwendig und unerlässlich, um die Zukunft eines Unternehmens zu sichern, denn ohne Weiterentwicklung wird sich kein Unternehmen am Markt dauerhaft halten.

Und das Optimieren hört niemals auf – das in Frage stellen des Gewohnten, das Anders-Denken und in die Tiefe gehen. Wir müssen das Gesamte im Auge behalten – von der Qualifizierung unserer Mitarbeiter bis hin zum Kunden schauen, darüber nachdenken, was ihm einen Mehrwert bringt. Die Wertanalyse steht vor und hinter dem Verkauf – und eine ASMAG-Anlage ist auf eine lange Laufzeit von wenigstes 20 Jahren konzipiert.

Ein Erfolg besteht doch nicht darin, irgendwo kurzsichtig 5 Cent gespart zu haben, wie es bei Einkaufgesteuerten Konzernen inzwischen der Fall ist. „Gewinnmaximierung“ allein bringt keinen Gewinn.

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T: Von Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG, stammt der Satz „Die Wettbewerbskraft eines Unternehmens hängt künftig von der Fähigkeit ab, sich mit allen am Produktionsprozess beteiligten Marktteilnehmern eng zu vernetzen, um Produkte noch schneller zu entwickeln.“ Sehen Sie das auch so? Was können ASMAG- und SEUTHE-Anlagen heute, was sie früher nicht konnten?

JV: Erst einmal ist es uns wichtig, dass unsere Anlagen das sind und können, was sie schon immer waren: Die einfachste aber qualitativ hochwertigste Lösung, um unter Schonung der Ressourcen optimal genau das Produkt herzustellen, das der Kunde damit erzeugen will. Die Konstruktionen dafür sind jahrzehntelang erprobt.

Selbstverständlich haben unsere Anlagen heute eine höhere Verfügbarkeit und Präzision, sind vibrationsarm, die Geometrie und Toleranzen sind besser, die Schrottquote ist sehr viel geringer und Umrüstzeiten sind minimiert. Auch die elektrische Auslegung ist eine völlig andere geworden, sie sind energiesparend, die Abläufe sind aufeinander abgestimmt und automatisiert; dann ist der Output höher bei Einsatz von weniger Personal.

Aber unabhängig von allen schnellen Kommunikationswegen – gut Ding will Weile haben, vom Verkauf einer Anlage bis zur Inbetriebnahme beim Kunden vergeht je nach Innovationsgrad der Anlage schon einmal ein Jahr. Die gute Lösung steht im Vordergrund, nicht die schnelle.

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JV: Es ist auch nicht notwendig, das Rad jeden Tag neu zu erfinden, aber es muss von solider Qualität sein. Wenn es nach dem ersten Kilometer kaputtgeht, nutzen auch die besten Technologien nichts, um es schneller, sicherer, stabiler und länger haltbar zu machen.

Ich weiß, was in unsere Anlagen eingebaut wird - angefangen von der ersten Schraube über das Lager bis zu weiteren wichtigen Details und natürlich von welcher Qualität das ist – und das macht mir ein gutes Gewissen - dem Kunden gegenüber und unserer Preisfindung.

Sehen Sie, ich stehe als Unternehmer tagtäglich persönlich in Rechenschaft gegenüber unseren Kunden – und dieses tun wir gerne. Daher ist es nicht unser Bestreben, die Kostenführerschaft zu übernehmen - die Asmag Group steht für Qualität, Produktivität, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

T: Herr Vielhaber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!



Redaktion: Frank Lindner